Kfz-Notrufsäulen

Warum sind Notrufsäulen noch in Betrieb und wie funktionieren sie? Wir klären auf.

Wer auf der Autobahn unterwegs ist, sieht die eintönige Fahrbahn, graue Leitplanken, blaue Verkehrsschilder und immer wieder orangefarbene Farbtupfer. Orange? Ja, die Notrufsäulen an der Autobahn. Es gibt sie noch – sogar rund 17.000 in ganz Deutschland. Wir verraten Ihnen, warum sie im Handyzeitalter überhaupt noch in Betrieb sind und warum jeder Anruf in Hamburg landet – egal, an welcher Kfz-Notrufsäule in Deutschland Sie stehen.

Bei der Fahrt auf der Autobahn zieht die Landschaft rechts am Autofenster hinter der Leitplanke vorbei. Je nach Geschwindigkeit auf dem Tacho, schneller oder langsamer. Im Norden ist es neben der A7 eher flach, im Süden können Sie die Berge sehen. Egal, welche Landschaft oder welches Wetter – ein Ausblick aus dem Autofenster bleibt beständig: Alle zwei Kilometer zieht eine orangefarbene Kfz-Notrufsäule am rechten Autobahnrand vorbei. Rund 17.000 auf mehr als 13.000 Autobahnkilometern gibt es in Deutschland. Ursprünglich waren die heutigen Kfz-Notrufsäulen Betriebstelefone für Mitarbeiter des Straßenbaus. 1970 wurden sie modernisiert und dienen seitdem allen Menschen als Notruftelefone. Zu verdanken haben wir dies übrigens maßgeblich der Björn-Steiger-Stiftung. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes Björn setzten sich Siegfried und Ute Steiger vehement für die Verbesserung der Notfallhilfe ein. Neben den Notrufsäulen am Straßenrand hat die Stiftung auch einheitliche Notrufnummern wie die 112 auf den Weg gebracht.

Kfz-Notrufsäule – wie funktioniert sie?

Jeder Anruf, der über eine Kfz-Notrufsäule getätigt wird, landet beim Notruf der Autoversicherer der GDV Dienstleistungs-GmbH in Hamburg (kurz: GDV-DL). Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur werden hier alle Anrufe entgegengenommen – egal, ob Sie in Niedersachsen oder in Baden-Württemberg an der Autobahn stehen. Zu wählen brauchen Sie übrigens nicht. Nach dem Anheben einer Klappe an der orangefarbenen Notrufsäule gibt es nur zwei Tasten: Gelb für eine Autopanne und Rot für einen Notfall. Egal, welche Taste Sie drücken – es meldet sich eine Stimme mit „Notruf der Versicherer“. Die Notruf-Service-Zentrale in Hamburg ist 24 Stunden an jedem Tag im Jahr besetzt. Je nach Situation erhalten Sie über die Notrufagenten schnelle Hilfe, z. B. die Polizei, den Rettungsdienst oder den Pannenservice, und zusätzliche Anweisungen für Ihre Sicherheit: Warnweste an, Warndreieck aufstellen und nichts wie hinter die Leitplanke. Da jede Kfz-Notrufsäule mit GPS ausgestattet ist, werden die Standortdaten direkt übertragen, sodass niemand umständlich erklären muss, an welcher Stelle der Autobahn sich die Notlage genau befindet.

Gut zu wissen: Im Fall des Falles finden Sie den kürzesten Weg zur nächstgelegenen Notrufsäule ganz leicht. Auf den schwarz-weißen Leitpfosten am Straßenrand zeigt ein schwarzes Dreieck nach links oder rechts. So wissen Sie immer, in welche Richtung Sie laufen müssen, um zur nächsten Kfz-Notrufsäule zu gelangen. Auf gar keinen Fall sollten Sie versuchen, die Autobahn zu überqueren, weil Sie dort eine Kfz-Notrufsäule sehen. Diese werden immer parallel in beide Fahrtrichtungen aufgestellt. Die für Sie sicher erreichbare Notrufsäule ist also nicht weit weg.

 

Kfz-Notrufsäule – ein Auslaufmodell?

Seitdem der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Anrufe über KfzNotrufsäulen im Jahr 1999 übernahm, gingen mehr als 1,5 Millionen Anrufe dort ein. Im Jahr 2018 waren es nur noch 52.400 Notrufe. Lohnen sich die orangenen Notfallhelfer im Handyzeitalter demnach überhaupt noch? Schließlich hat doch jedes Auto mindestens ein Smartphone mit im Wagen. Die Antwort 2 ist eindeutig: Ja. Denn Handys können einen leeren Akku haben oder sich in einem Funkloch befinden (z. B. in einem Autobahntunnel). Bei einem Unfall können sie im Auto umher- oder aus dem Auto herausgeschleudert werden und defekt sein. Fest steht: 144 Menschen pro Tag riefen im Jahr 2018 über eine KfzNotrufsäule nach Hilfe und bekamen diese. Damit lohnen sich die Kfz-Notrufsäulen auch im Handyzeitalter noch und können im Notfall Leben retten.

Neben Pannen und Unfällen werden auch Falschfahrer sowie Gegenstände und Personen auf der Fahrbahn über die Kfz-Notrufsäulen gemeldet. Kurios wird es, wenn sich nach einem Streit zurückgelassene Partner melden oder Fahrer, die sich selbst während der Toilettenpause am Rastplatz aus dem Auto ausgesperrt haben. Doch auch in diesen Fällen hilft der Notruf der Versicherer zuverlässig weiter.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie die Kfz-Notrufsäule nie brauchen werden, aber falls doch: Sie wissen ja jetzt, wie es geht. Gute und sichere Fahrt!

Diesen Artikel teilen

Weitere Artikel