Tierhalter­haft­pflicht

Sicher auf den Hund kommen

Darauf sollten unerfahrene Frauchen und Herrchen beim Hundekauf achten

Es ist tierisch was los in deutschen Haushalten, auf Bürgersteigen und Grünflächen. Plötzlich scheinen alle auf den Hund gekommen zu sein. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) bestätigt, dass im Jahr 2020 rund 20 Prozent mehr Hunde gekauft wurden als noch im Jahr zuvor. Ende 2019 lebten 10,1 Mio. Hunde in deutschen Haushalten. Hunde zählen dort übrigens zu den zweitbeliebtesten Haustieren – nach Katzen.

Auch wenn so manche seit Langem vom Hundewunsch ihrer Kinder geplagte Eltern es nur gut meinen, wenn sie sich gerade jetzt einen Hund anschaffen, sollte ein Hundekauf gut überlegt sein. Zwar verbringen wir in Zeiten von Homeoffice, Kurzarbeit und Homeschooling aktuell mehr Zeit zu Hause, doch über kurz oder lang wird sich wieder der normale Alltag einstellen. Und was dann?

Wie viel Hund passt in mein Leben?

Dass ein Neufundländer in der 50-qm-Stadtwohnung ohne Garten vielleicht keine gute Idee ist, leuchtet ein. Doch auch der kleinste Chihuahua will nicht nur in der Handtasche herumgetragen werden. Neben der Größe ist vor allem der Zeitaufwand für einen Hund entscheidend. Denn neben Fressen, Schlafen und Gassi gehen möchten gerade Welpen gleichermaßen bespaßt und gefordert werden.

Natürlich geben Hunde aber auch unheimlich viel. Deshalb ist es verständlich, dass gerade in Zeiten, in denen wir alle mit Kontaktbeschränkungen leben müssen, Hunde für Gesellschaft, Nähe und etwas Abwechslung im eintönigen Alltag sorgen sollen. Aber ist das wirklich zu Ende gedacht? Passt der fellige Mitbewohner auch noch in das eigene Leben, wenn dieses wieder von der Fahrt zur Arbeit und anderen Alltagsverpflichtungen geprägt ist? Da die meisten von uns sich seit dem letzten Jahr in einer Ausnahmesituation befinden, ist das Tier nicht daran gewöhnt, allein zu sein. Und dies sollte auch kein Hund länger als fünf Stunden täglich sein, empfiehlt der VDH. Und was, wenn irgendwann Urlaube wieder möglich sind? Darf der Hund überhaupt mit ins traditionelle Urlaubsdomizil reisen?

Wo kaufe ich am besten einen Hund?

Die Nachfrage nach Hundewelpen ist riesig. Lange Wartelisten bei zertifizierten VDH-Züchtern führen aktuell dazu, dass angehende Hundebesitzer vermehrt über Onlinekleinanzeigen und andere Onlineportale Hundewelpen kaufen. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn der illegale Handel mit Hundewelpen grassiert und ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.

Es gibt einige Kriterien, die potenzielle Hundekäufer beim Kauf eines Welpens beachten sollten. Seriöse Züchter nehmen sich Zeit und wollen das künftige Lebensumfeld und die Bezugspersonen für ihre noch nicht einmal geborenen Schützlinge kennenlernen. Dort kauft man nicht einfach einen Welpen, sondern bewirbt sich um das Tier. Unseriöse Anbieter hingegen interessiert allein der Preis.

Wer einen Hund kauft, sollte auf vollständige Verkaufspapiere inkl. Garantie sowie Impfnachweise und Chipnummer achten. Vor allem durch fehlende Impfungen können die Folgekosten bei Krankheiten ansonsten immens sein. Tiere, die zu früh vom Muttertier getrennt werden, können verhaltensgestört sein und später Probleme haben, sich zu sozialisieren.

Auch wenn die Bilder noch so süß sind: Verzichten Sie auf „click and collect“ beim Hundekauf und besuchen Sie lieber seriöse Züchter vor Ort. Diese finden Sie z. B. auf der Website des VDH.

Warum ist die Tierhalterhaftpflicht sinnvoll? 
Hundehalter haften für ihre Vierbeiner. Und auch wenn der Hund noch so gut erzogen ist und nur spielen will, kann der eine Moment kommen, in dem sich unsere tierischen Begleiter beim Spaziergang erschrecken und plötzlich auf die Straße laufen oder in einer Stresssituation zubeißen.

Im Zuge der Coronapandemie dürfen nicht überall in Deutschland die Hundeschulen öffnen. Doch vor allem junge Hunde müssen sozialisiert werden und brauchen den Kontakt zu anderen Hunden. Fehlt dieser in den ersten Lebensmonaten, kann sich dies später in Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Aber auch die unerfahrenen Neu-Hundehalter brauchen Anleitung, wie sie mit den Hunden richtig arbeiten – oft mehr als die Hunde selbst. Denn auch ein Hund hat Ansprüche und möchte mehr als Gassi gehen. Im schlimmsten Fall spazieren im Sommer zahlreiche Frauchen und Herrchen völlig überfordert mit ihren unterforderten Vierbeinern durch die Lande. Da scheinen Unfälle vorprogrammiert und eine Tierhalterhaftpflicht sinnvoller denn je. Denn in Deutschland haften Hundehalter grundsätzlich für jeden Schaden, den ihre Lieblinge auf vier Pfoten verursachen – auch ohne eigenes Verschulden.

 

Wofür zahlt die Tierhalterhaftpflicht?

Die Tierhalterhaftpflicht der VHV versichert Schäden, die Ihr Hund anderen Personen oder Sachen zufügt – bis zu 10 Mio. Euro Versicherungssumme. Dies gilt auch, wenn der Hund beim Gassi gehen trotz Leinen- und/oder Maulkorbpflicht nicht angeleint und ohne Maulkorb unterwegs ist. Sollte ein sogenannter Deckaktschaden auftreten, wird auch dieser übernommen. Sollte Ihr Rüde z. B. unbemerkt einer läufigen Hündin nachstellen und daraus für deren Besitzer ein ganzer Wurf Welpen (und damit verbundene Folgekosten) entstehen, zahlt die Tierhalterhaftpflicht.

Ebenfalls abgedeckt sind Mietsachschäden, die Ihr Hund bei Ihnen zu Hause herbeiführt. Sollten Sie selbst oder Ihr Hund von einem anderen Hund geschädigt werden und dessen Halter für diesen Schaden nicht aufkommen können, ist auf die VHV Verlass. Wir zahlen den Forderungsausfall.

Neben Tierhalter sind die im Haushalt lebende Familie sowie sporadische Tierhüter, z. B. die Nachbarin, versichert, die den Hund unentgeltlich ausführen.

Gut zu wissen: Ist die Tierhalterhaftpflicht Pflicht?
Das kommt darauf an, wo Sie mit Ihrem Vierbeiner wohnen. Denn in einigen Bundesländern wie z. B. Berlin und Niedersachsen besteht eine Pflicht zur Tierhalterhaftpflicht. In anderen, z. B. Nordrhein-Westfalen, geht es nach der Größe des Tieres. Ab 40 cm ist eine Tierhalterhaftpflicht in NRW ein Muss. In Bayern müssen nur verhaltensauffällige Hunde versichert werden. Die gute Nachricht: Die Tierhalterhaftpflicht der VHV ist in jedem Bundesland und für Hunde jeder Größe abschließbar. Im Vergleich zu möglichen Schadensforderungen ist eine Tierhalterhaftpflicht sehr erschwinglich. Übrigens: Für kleinere Haustiere wie Katze, Hamster und Kanarienvogel reicht die private Haftpflichtversicherung über die Besitzer aus.

 

Was sind die beliebtesten Hunderassen?

Auf Platz 1 der beliebtesten Hunderassen in Deutschland nach Anzahl der neugeborenen Welpen in den Jahren 2018 und 2019 steht der Deutsche Schäferhund. Gefolgt von Dackel und Deutsch Drahthaar. Labradore und Golden Retriever belegen die Plätze 4 und 5. (Quelle: statista)

Modehunde wie Französische Bulldoggen und Möpse werden aufgrund der hohen Nachfrage momentan überzüchtet, und das ist für keinen Hund gut, warnen Tierschutzorganisationen.

Tipps für Ihren Hundekauf:

  • Entscheiden Sie sich gut überlegt für einen Hund als neues Familienmitglied. Informieren Sie sich vorab und lassen Sie sich von Züchter beraten.
  • Rechnen Sie die Kosten durch (Hundeausstattung, Futter, Tierarztbesuche etc.).
  • Sprechen Sie mit anderen Hundehaltern und fragen Sie auch nach den nicht so schönen Seiten des Zusammenlebens mit einem Vierbeiner.
  • Kaufen Sie nur bei anerkannten Züchtern, auf keinen Fall anonym über Onlinekleinanzeigen oder aus einem Lieferwagen auf einer Raststätte.
  • Besondere Vorsicht gilt bei Modehunden.

Ein Hund ist ein Lebewesen, und nicht umsonst kann er der beste Freund des Menschen sein – deshalb sollte jeder Vierbeiner auch so behandelt werden. Das Tierwohl steht bei der Entscheidung für einen Hund an erster Stelle.

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