Kfz: Sicher durch den Winter

Vereiste Scheiben: Was bringt wirklich den Durchblick?

Welche Tipps tatsächlich beim Kratzen helfen.

Draußen ist es kalt und dunkel, Sie haben sich im Bett lieber noch einmal umgedreht und sind jetzt spät dran? In einer Hand die Kaffeetasse, in der anderen den Autoschlüssel stürzen Sie aus dem Haus und stellen fest: Sie müssen kratzen! Trotz aller Hektik und dem immer nasser und kälter werdenden Handschuh gilt es jetzt durchzuhalten. Ansonsten kann es sehr viel Geld und Nerven kosten, wenn Sie sich in der Eile nur ein kleines Sichtfenster freikratzen. Denn: Das ist durch die Straßenverkehrsordnung untersagt und mit Bußgeldern belegt. Doch wie können Sie es sich etwas einfacher machen? Was hilft wirklich gegen vereiste Autoscheiben? Und was, wenn die Scheiben von innen zufrieren?

Gut zu wissen: Das sagt die Straßenverkehrsordnung

In der Straßenverkehrsordnung ist klar geregelt, dass Sicht und Gehör des Fahrers nicht durch den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt sein dürfen (StVO §23 Abs.1). Das bedeutet, Windschutz, Heck- und Seitenscheiben müssen komplett von Schnee und Eis befreit werden, bevor Sie mit dem Wagen losfahren. Wer nur mit notdürftig freigekratztem Guckloch unterwegs ist, riskiert schlimme Unfälle und ein Bußgeld ab 10 Euro, das sich je nach Gefahrenlage erhöhen kann.

 

Viele Hausmittel versagen bei starken Minusgraden

Es gibt einige Wundermittel, die gegen vereiste Scheiben helfen sollen. Manch einer versucht es beispielsweise mit einer heißen Wärmflasche, ein anderer nimmt einen Beutel mit Reis mit ins Auto. Doch vieles hilft nur bedingt. Hier ein kleiner Überblick:

  • Zeitung, Reis- oder Kohlebeutel auf dem Armaturenbrett: Diese Helfer entziehen dem Fahrzeuginneren einen gewissen Grad an Feuchtigkeit und beugen so von innen beschlagenen oder gar zugefrorenen Scheiben vor. So arbeiten auch mit speziellem Granulat gefüllte Beutel, die man im Baumarkt speziell fürs Auto kaufen kann. Fallen die Temperaturen draußen aber deutlich unter Null, können sie nicht mehr viel anrichten.
  • Wärmflasche unter der Windschutzscheibe: Die Wärmflasche, die Sie morgens mit ins Auto nehmen, bringt nur punktuell und bei noch milden Temperaturen etwas. Für das Erwärmen einer ganzen Scheibe braucht sie deutlich zu lange – bis ein Effekt sichtbar ist, dürfte selbst bei alten Automodellen die Belüftungsanlage des Fahrzeugs schneller sein.
  • Kaltes Wasser: Ist die Scheibe von außen gefroren, hilft kaltes Wasser dabei, die Eisschicht zu lösen. Dazu muss es nur minimal wärmer sein, als das Eis. Nutzen Sie nur kein warmes oder gar heißes Wasser! Das gefriert tatsächlich schneller wieder als kaltes und kann zudem Sprünge in der kalten Scheibe provozieren. Doch auch kaltes Wasser unterstützt Sie allerhöchstens bei sehr milden Minusgraden dabei, das Eis zu lösen.
  • Essigwasser zur Vorbeugung: Kündigt sich Frost an, können Sie Ihre Windschutzscheibe abends mit Essigwasser (Mischverhältnis 3:1) besprühen. Feuchtigkeit setzt sich so nicht so leicht am Glas fest. Doch: Schon bei wenigen Graden unter Null versagt auch dieses Hausmittel.
  • Selbstgemachtes Enteisungsspray: Im Baumarkt kann man Enteisungsspray für wenig Geld kaufen. Man sprüht es auf die vereiste Schicht und kann bei dünneren Eisschichten zusehen, wie sich diese verflüssigen. Danach einfach mit einer Gummilippe oder dem Scheibenwischer nachwischen – fertig. Je kälter es ist, desto länger dauert das natürlich. In jedem Fall vereinfacht es das Kratzen aber sehr. Ein solches Spray ist auch schnell selbst gemacht: Wasser und Reinigungsalkohol (Isopropylalkohol) in einem Verhältnis von 2:1 in einer Sprühflasche mischen und etwas Spülmittel hinzufügen. Seien Sie aber schnell: Wenn es zu kalt ist, erzeugt der verdampfende Alkohol wieder Kälte und es bildet sich neues Eis.

Einfach den Motor laufen lassen? Lieber nicht.

Die Eisschicht ist sehr hartnäckig? Da könnten Sie die Hilfe Ihrer Motorwärme wohl gut gebrauchen. Der Verlockung, den Motor im Stand laufen zu lassen, sollten Sie dennoch lieber widerstehen. Denn: Unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigung sind nämlich durch § 30 der Straßenverkehrsordnung untersagt. Wer sich nicht daran hält, riskiert auch hier Bußgelder.

Das hilft Ihnen wirklich:

  • Haben Sie Geduld: Gerade, wenn die Scheibe nach dem Kratzen noch beschlagen ist, warten Sie lieber ein paar Minuten ab und wischen mit einem Lappen oder sauberen Autoschwamm nach.
  • Packen Sie Ihr Auto ein: Im Fachhandel erhalten Sie sogenannte Vollgaragen – also Planen, die das komplette Fahrzeug abdecken und Eisbildung so verhindern. Wem das zu aufwändig ist, sollte zumindest für die Windschutzscheibe in eine Abdeckung/Schutzmatte aus dem Baumarkt investieren. Ein zerschnittener Müllbeutel, den Sie zwischen den Türen einklemmen, kann auch schon helfen. Nutzen Sie nur keine Pappe! Wird diese feucht, kann sie sogar am Glas festfrieren. Zusatztipp: Ziehen Sie über Ihre Außenspiegel alte Socken.
  • Gut Durchlüften: Scheiben, die von innen zufrieren sind besonders ärgerlich. Denn: die gewölbte Windschutzscheibe freizukratzen ist so gut wie unmöglich. Auch Enteisungssprays sollten Sie nicht im Innenraum verwenden, da sie dort stark gesundheitsgefährdend sind. Wenn Sie also abends – und insbesondere nach einer längeren Fahrtzeit – den Wagen abstellen, nehmen Sie sich die Zeit und lüften ihn etwas durch, damit möglichst viel Luftfeuchtigkeit entweichen kann. Beutel zum Entfeuchten (siehe oben) unterstützen ebenfalls. Das verhindert das Zufrieren zwar nicht komplett, macht die Eisschicht aber im günstigsten Fall nicht ganz so hartnäckig.
Rechtzeitig aufstehen!

So nervig es ist: Planen Sie im Winter morgens lieber etwas mehr Zeit ein als zu wenig! Legen Sie sich ein paar Ersatzhandschuhe griffbereit, falls die ersten beim Kratzen zu viel Feuchtigkeit aufnehmen, und kommen Sie nicht in die Versuchung, mit einer nur partiell freien Sicht loszufahren. Zu schnell übersehen Sie ein parkendes oder abbiegendes Fahrzeug oder sogar einen Passanten.

Nehmen Sie sich also morgens entsprechend Zeit und gehen Sie abends lieber eher schlafen – es wird sowieso früh dunkel.

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